Alpirsbacher Bekenntnis zur Regionalität




Wir setzen uns aktiv ein für eine regionale Wirtschaftsstruktur, die in Kreisläufen funktioniert und stellen folgende Thesen und Forderungen auf:

1. Regionale Wirtschaftskreisläufe schaffen nachhaltige Arbeit in klein- und mittelständischen Strukturen.
Regionale Wirtschaftskreisläufe beginnen beim Erhalt der Lebensgrundlagen und der Erzeugung von Lebensmitteln und deren Verarbeitung. Sie reichen bis hin zu Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen, wie Bäckereien, Metzgereien, Mühlen und Molkereien, Brauereien und Schlachthöfen, Sägewerken und Fischräuchereien, Banken, Versicherungen und Poststellen, Bildungs-, Gesundheits-, Handels-, Gastronomie-, Beherbergungs-, Informations- und Kommunikationseinrichtungen, Vereinen und Kirchen und vielem mehr.

Jede Region hat ihre eigenen Lebensgrundlagen. Die kleinen und mittelständischen Betriebe einer Region schaffen regionale Existenzgrundlagen und bieten eine Vielzahl von Arbeitsplätzen, insbesondere Ausbildungsmöglichkeiten.
Regionale Wirtschaftskreisläufe entwickeln viele wirtschaftliche, soziale und ökologische Neuerungen und versorgen alle Bewohner einer Region.

Regionale Wirtschaftskreisläufe sorgen für Wettbewerb und für faire Preise.

Regionale Wirtschaftskreisläufe verteilen die Lasten und Erträge der Erzeugung und Verarbeitung von Gütern und Dienstleistungen auf viele Schultern.

Regionale Wirtschaftskreisläufe fördern die Kreativität und die vielfältigen Kompetenzen der Menschen einer Region.
Sie nutzen nachhaltig die regionalen natürlichen und von Menschhand geschaffenen Ressourcen und Kulturgüter in der freien Natur wie in den Dörfern und Städten.

2. Regionale Kreislaufwirtschaft spart Energie und verhilft zu regionaler, sozial gestreuter Wertschöpfung.

Sie wird schrittweise erreicht durch
a) Reduzieren des Energieverbrauchs
b) Einsatz der innovativsten Technologien
c) nachhaltige Nutzung aller heimischer Ressourcen.

Wir bauen auf die Kreativität und die vielfältigen Kompetenzen der Menschen vor allem aus Landwirtschaft, Handwerk, Handel, Gewerbe, Industrie, Dienstleistung, Kommunen und Kirchen.

3. Regionalität braucht und fördert bürgerschaftliches Engagement und Nachbarschaft.

Alle Menschen einer Region sind für die Arbeits- und Lebensbedingungen ihrer Region mitverantwortlich.
Verantwortung für sich selbst und seine Nächsten ist eine Grundvoraussetzung für menschliches Zusammenleben, für die nachhaltige Schaffung und Entwicklung der Lebensgrundlagen von Menschen, Tieren und Pflanzen. Regionale Verantwortung und Nachbarschaft sind Grundlagen für bürgerschaftliches Engagement. Bürgerengagement beginnt deshalb bereits beim Einkauf und bei der Auftragsvergabe. Kultur- und Bildungsangebote fördern die Toleranz und Offenheit und das soziale Miteinander. Dies zeichnet starke Regionen aus.

4. Regionale Wirtschaftskreisläufe schützen Ressourcen.

Wenn es gelingt, vorhandene Bausubstanz in den Innenstädten für Handwerk, Handel und Gewerbe zu nutzen, wird viel Land gespart. In enger Verzahnung von Wohn- und Gewerbeflächen kann Landverbrauch minimiert werden. Bäuerliche Landwirtschaft trägt maßgeblich zum Erhalt unserer vielfältigen Kulturlandschaft bei. Wirtschaftswachstum muss nicht zwingend wachsende Verkehrströme hervorrufen. Nach dem Prinzip regionaler Wirtschaftskreisläufe arbeitende Betriebe verbrauchen weniger Rohstoffe, weniger Energie und weniger Land.

5. Regionalbewegung stärkt Demokratie.

Demokratie braucht Mitverantwortung und lebt vom bürgerschaftlichen Engagement. Unsere Demokratie braucht eigenständige regionale Wirtschafts- und Sozialstrukturen. Kleine und mittelständische Betriebe sind Stabilitätsfaktoren in unserer Wirtschaft. Sie bilden aus und schaffen damit die Qualifikationen junger Menschen für die Zukunft.

Feuchtwanger Charta – vom 2. April 2004
Grundlagenpapier zur Stärkung der Regionalbewegung in Deutschland